Rochdale Pioneers – 175. Jubiläum

 

 Auf den Tag genau vor 175 Jahren – am 21.  Dezember 1844 – wurde in Rochdale nahe Manchester, GB, von völlig verarmten Textilarbeitern und Flanellwebern ein kleiner Laden eröffnet, der zum Meilenstein der genossenschaftlichen Geschichte werden sollte.

 

Von den redlichen Pionieren von Rochdale ist die Rede, die in Zeiten größter Not ihr Schicksal selbst in die Hand nahmen. Von allen mitleidig verlacht, ja verhöhnt, setzten sie auf SELF-HELP BY THE PEOPLE und fanden Mittel und Wege, sich aus ihrem tiefen Elend zu befreien.

 

„So sollte in einem ersten Schritt ein Laden zum Verkauf von Lebensmitteln, Kleidung und überhaupt der gewöhnlichen Bedürfnisse der Arbeiter gegründet werden. Dies gelang mit einem Kapital von 28 Pfund. Ausgestattet mit einem Bestand der notwendigsten Lebensbedürfnisse (Kartoffeln, Butter, Öl und Seife) wurde die Eröffnung auf den 21. Dezember 1844 festgesetzt. Am Abend eines echt englischen, finsteren und nassen Wintertages füllten sich die benachbarten Straßen mit Haufen von Neugierigen, unter denen nur wenige mit Wohlwollen und Vertrauen, die meisten aber mit Mitleid oder Spott der kommenden Dinge harrten. Tatsächlich hieß es in der ganzen Stadt, dass die armen Weber vor Hunger und Kummer verrückt geworden seien. Der Eindruck, den die ganze Sache machte, war so wenig ermutigend, dass selbst der Vorstand der Genossenschaft sich erst nach Einbruch der Dunkelheit heranwagte, um möglichst unbemerkt in den Laden zu schlüpfen, dessen Eröffnung dann mit allgemeinen Geschrei der Gassenjungen: „Die verrückten Weber haben eröffnet“, begrüßt wurde. Die ersten Kunden waren außer den 28 Mitgliedern der Genossenschaft noch einige Fremde, die aus Neugierde oder Mitleid in den Laden kamen, so dass schließlich die Genossenschaft am ersten Tag ihrer Tätigkeit auf eine Einnahme von 18 Shilling hinweisen konnte.“ (Auszug aus SELF-HELP BY THE PEOPLE, Lesebuch anlässlich 175 Jahre Redliche Pioniere von Rochdale)

 

»Die Gründung der ›Rochdale Society of Equitable Pioneers‹ 1844 war die Geburtsstunde der weltweiten Genossenschaftsbewegung. Zur Bewahrung dieses historischen Erbes soll dieses Lesebuch nun der geneigten Leserin, dem geneigten Leser Inspiration, Mut und Ansporn sein«, schreibt Herausgeber Christian Pomper im Prolog.

 

»Die Genossenschaftsbewegung ist keineswegs etwas Äußerliches, sie ist kein Gewand, das man wechseln und wegwerfen kann, sie ist vielmehr eine radikale Umwandlung der Einrichtungen und Anschauungen der Gesellschaft, eine gänzliche Änderung der Wirt­schaftsformen.«

 

Das Lesebuch, das neben historischen Berichten mit Bezügen zur heutigen Lage auch ein spannendes Kapitel zum Thema »Genossenschaft und Anarchismus« enthält, kann bestellt werden unter:       info@fgk-forschungsverein.at

14. TAGUNG ZUR GENOSSENSCHAFTSGESCHICHTE

 

Am 1. und 2. November 2019 findet in Hamburg die 14. Tagung zur Genossenschaftsgeschichte statt. Unter der Federführung der Heinrich-Kaufmann-Stiftung werden regelmäßig Tagungen durchgeführt, die sich jeweils um ein historisches Schwerpunktthema drehen.

Dieses Jahr steht die Tagung unter dem Motto „Genossenschaftliche Unternehmerpersönlichkeiten und ihre Unternehmen“. Auch nach den Gründerinnen und Gründern gibt es in der Genossenschaft Persönlichkeiten, die das Schicksal des Unternehmens wesentlich beeinflussen. Diesen soll auf der Veranstaltung nachgespürt werden.

Die Veranstaltung findet von Freitag, 01.11.2019, 13 Uhr bis Samstag, 02.11.2019, 17 Uhr im                                                                       „Klub“ im Gewerkschaftshaus Hamburg, Besenbinderhof 62, 20097 Hamburg statt.

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14. Tagung zur Genossenschaftsgeschichte
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Der Verbandsrat und der Vorstand des Zentralverbandes deutscher Konsumgenossenschaften bei ihrem Besuch des Konsum-Museums im Rahmen einer Sonderführung im Juli 2019.

Audiodokumente der Konsumgenossenschaftsbewegung erstmals auf CD:

 

Anlässlich des Jubiläums „160 Jahre Konsumgenossenschaften in Österreich“ hat der Forschungsverein Entwicklung und Geschichte der Konsumgenossenschaften (FGK) im Jahr 2016 eine Festschrift herausgegeben, die mit Bildern aus dem FGK-Archiv gestaltet wurde. Die Chronik beginnt mit den geistigen Wurzeln der Genossenschaftsbewegung und führt von den „Gründervätern“ durch 160 Jahre konsumgenossenschaftlicher Tätigkeit. Die prägende Rolle der Konsumgenossenschaften in wirtschaftlicher und gesellschaftspolitischer Hinsicht, unter anderem für die Gleichberechtigung der Frau, wird in dieser Publikation übersichtlich dargestellt.

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160 Jahre Konsumgenossenschaften in Österreich,

Peter Höfferer, Florian Jagschitz, Siegfried Rom

ISBN: 978-3-9501499-7-5

Konsumverband (Hrsg.), Wien 2016.